INSTRUMENTE DER AKUPUNKTUR

Dass Akupunktur vor allem mit Nadeln ausgeführt wird, ist bekannt. Weitere Instrumente, mit denen der Akupunkteur arbeitet, sind vor allem Stimulationsgeräte und Punktsuchgeräte.

1. Die Nadeln

Eigentlich können Akupunkturpunkte mit allen möglichen Mitteln stimuliert werden - vom einfachen Druck mit den Fingerspitzen bis hin zum Laserstrahl. Entsprechend wurden im Lauf der Zeit unterschiedliche Therapiemethoden entwickelt. Jedoch: Auch heute noch werden 97% aller Behandlungen mit der Nadel durchgeführt. In der 5000-jährigen Geschichte der Akupunktur ist sie das Standardinstrument geblieben. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Bei fast jeder Behandlung müssen mehrere Akupunkturpunkte gleichzeitig stimuliert werden - und das geht eben am besten mit Nadeln.

Akupunkturnadeln gibt es in den verschiedensten Ausführungen für jede denkbare Anforderung. Die Wahl der richtigen Nadel ist schon fast eine Wissenschaft für sich...
 Wiederverwendbare und Einmalnadeln
 Das Material
 Der Nadelkörper
 Der Nadelgriff
 Wann mit Führröhrchen?
 Dauernadeln
Wiederverwendbare und Einmalnadeln
Bis vor wenigen Jahren benutzte man wiederverwendbare Nadeln, die nach Gebrauch wieder sterilisiert wurden. Wegen des Infektionsrisikos (Hepatitis B, AIDS und andere Erkrankungen) und den Kosten für die Sterilisierung sind heute sterile Einmal-Akupunkturnadeln Standard. Akupunkturnadeln müssen der der GMP (Good Manufacturing Practice)-Norm der Word Health Organisation entsprechen und TÜV-geprüft sein.

Das Material
Früher benutzte man Nadeln aus Gold oder Silber (oder zumindest vergoldete/ versilberte). Man sagte den Edelmetallen eine ganz besondere, ja mystische Wirkung nach. Einige wenige Akupunkteure vertreten die Lehrmeinung, daß durch die Verwendung von Gold und Silber verstärkende und abschwächende Effekte erzielt werden können.

Moderne Akupunkturnadeln bestehen aus rostfreiem Edelstahl, zur Vermeidung allergischer Reaktionen mit vermindertem Nickelanteil.

Der Nadelkörper
Es gibt "chinesische" und "japanische" Akupunkturnadeln. Mit ihrem Herstellungsort hat das allerdings wenig zu tun - es geht um die Form: Der chinesische Nadelkörper (im Bild oben) ist etwas dicker und verjüngt sich zur Spitze hin; die japanische Nadel (im Bild unten) ist graziler, ihr Durchmesser vom Griff bis zur Spitze gleich. Heute werden eher Nadeln des japanischen Typs benutzt - und viele davon werden durchaus auch in China hergestellt.

Der Nadelgriff
Die Griffe der Akupunkturnadeln bestanden bis vor 20 Jahren durchweg aus Metall. Sie waren entweder aus Metallfäden geflochten oder mit dünnem Draht umwickelt. Beides erklärt sich aus der Tradition der Akupunktur: Bei manchen Behandlungen wurde Moxakraut auf dem Nadelgriff befestigt und angezündet (Moxibustion). Zudem sollten diese Techniken einen sicheren und festen Griff ermöglichen - sowohl beim Einstechen als auch bei der Manipulation der Nadel: So nennt man das schnelle Drehen und gleichzeitige Auf- und Abwärtsbewegen zur Stimulation eines Akupunkturpunktes.

Heute sind die Griffe von Akupunkturnadeln meist aus Kunststoff. Sie lassen sich ebenso gut manipulieren wie Metallgriffe und sind zudem hygienischer, da beim Herstellungsprozess leichter zu reinigen. Unterschiedliche Farben zeigen wie bei Injektionskanülen die Nadelstärke an.

Wann Führröhrchen ?
Um Säuglinge oder besonders schmerzempfindliche Punkte bei Erwachsenen zu behandeln, benutzt man sehr dünne, äußerst elastische Nadeln. Manche haben nur einen Durchmesser von einem zehntel Millimeter. Nur besonders erfahrene Experten beherrschen den Umgang mit diesen Nadeln. Normalerweise benutzt der Arzt daher ein Führröhrchen, um die Nadel in die Haut zu bringen: Das Röhrchen - das einige Millimeter kürzer ist als die Nadel - wird auf die Haut aufgesetzt, so dass die Nadel oben etwas herausragt. Der Therapeut tippt den Nadelgriff nun leicht mit dem Zeigefinger an, so dass die Nadel (dank der Führung absolut gerade) in die Haut gelangt. Da diese Methode bei einer qualitativ sehr guten Nadel nahezu schmerzfrei ist, wendet man sie bei ängstlichen Patienten auch mit stärkeren Nadeln an.

Dauernadeln
Dauernadeln bleiben nach dem Einstich für längere Zeit (meist für mehrere Tage) im Körper des Patienten und sorgen so für eine permanente Akupunkturwirkung. Es gibt zwei Arten:
 Ohrdauernadeln bestehen aus einem kleinen Metall-Zylinder, an dessen Ende sich auf einem Stahlstift ein kegelförmiger Aufsatz befindet. Der Zylinder wird mit einem Kunststoff-Injektor gegen das Ohr gedrückt. Der Aufsatz presst sich dabei in das Ohr und verbleibt dort durch einen Widerhaken-Effekt. Der Arzt muß die Nadel zusätzlich durch ein Pflaster fixieren. Bei unsachgemäßer Handhabung kann es gelegentlich zu Entzündungen an der Eindrückstelle kommen.
 Dauernadeln für Körper und Ohr sind normale Akupunkturnadeln ohne Griff: Der obere Teil dieser Nadeln ist zu einem Teller gedreht, so dass die Nadel einem sehr kleinen und dünnen Reißbrettstift ähnelt. Auf der Rückseite des Tellers befindet sich in der Regel bereits ein (möglichst steriles) Pflaster. Der Therapeut greift die Nadel mit einer Pinzette an ihrem Pflaster und setzt sie mit der Spitze auf dem Akupunkturpunkt auf. Beim anschließenden Glattstreichen des Pflasters gleitet die Nadel von selbst in die Haut. Diese Dauernadeln sind nahezu schmerzfrei und sehr hygienisch. Sie können an den flachen Stellen am Ohr und am gesamten Körperbereich eingesetzt werden.
2. Stimulationsgeräte

Neben Akupunkturnadeln kann der Arzt auch Geräte einsetzen, um Akupunkturpunkte zu stimulieren. Einige davon werden gleichzeitig mit Nadeln eingesetzt und sorgen für zusätzliche Stimulationseffekte. Dazu zählen elektrische Stimulationsgeräte, Search- und Stim-Geräte sowie Lasergeräte.

2. Elektrische Stimulationsgeräte


Wie der Name schon sagt, wird die Stimulationswirkung hier mit Strom erzeugt. Dazu benutzt der Arzt entweder Elektroden, die direkt über den Akupunkturpunkten angebracht werden, oder - die weitaus häufigere, da wirksamere Variante - er verbindet das Stimulationsgerät über Steckverbindungen ("Krokodilklemmen") mit bereits gesetzten Akupunkturnadeln, so dass der Strom direkt an den Akupunkturpunkt fließen kann. Pro Punkt werden immer zwei Elektroden oder Nadeln angebracht, da sich jeder Akupunkturpunkt auf der jeweils anderen Körperhälfte spiegelt.

Das Besondere an dieser Methode: Durch Regelung der Stromstärke und der Pulsfrequenz kann der Therapeut die Stimulationswirkung für jeden Punkt anders einstellen - je nachdem, ob eher sedierende oder tonsierende Effekte benötigt werden.

Elektrostimulationsgeräte gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Die wichtigsten Unterscheidungskriterien:
 Stromregelung: Bei einfachen analogen Geräten wird die Stromstärke immer etwas schwanken, und die elektrische Sicherung ist - je nach Bauart - begrenzt. Mit digitalen Geräten dagegen fließt die gewählte Stimulationsstärke gleichmäßig so, wie vom Bediener eingestellt. Die Elektronik kontrolliert den Strom und korrigiert ihn gegebenenfalls selbsttätig.
 Größe: Je mehr Ausgangskanäle ein Gerät hat, desto mehr Akupunkturpunkte können gleichzeitig stimuliert werden. Pro Kanal sind zwei Nadeln anschließbar.
 Frequenzenband: Das Gerät sollte mindestens den Therapiebereich von 2Hz bis 60Hz abdecken; für einige Anwendungen sind auch niedrige Frequenzen von 0,1Hz bis 9,99 Hz erforderlich.
Eine Besonderheit bieten Geräte, die während der Therapie Veränderungen am Patienten messen können - beispielsweise durch Anzeige des elektrischen Hautwiderstandes an jedem angeschlossenen Akupunkturpunkt: Hat die Behandlung Wirkung, wird sich der Hautwiderstand verändern. Der Therapeut kann diesen Wert während der Behandlung jederzeit abrufen.

Search and Stim
In einschlägigen Versandhauskatalogen findet man manchmal noch so genannte "Search and Stim"-Geräte: Das sind kleine Handgeräte, an deren Spitze sich eine Sonde befindet. Die Sonde soll gleichzeitig zum Suchen und zur Stimulation von Akupunkturpunkten dienen.

Gezielt für die Selbstbehandlung durch Patienten konzipiert, erfüllen diese Geräte in der Regel nicht die Anforderungen an einen professionellen Einsatz in der Akupunkturpraxis. Der abgegebene Strom ist meist zu schwach, die Sucheinrichtung (siehe auch Punktsuchgeräte) sehr unzuverlässig. Entsprechend fragwürdig ist auch die Wirksamkeit.

Lasergeräte
Lasertherapiegeräte werden sehr erfolgreich zur Stimulation von Akupunkturpunkten eingesetzt (siehe auch Lasertherapie). Es handelt sich dabei um sogenannte Diodenlaser mit Leistungsstärken von 3 Milliwatt (mW) bis zu 180 mW.

Für die Wirksamkeit des Lasers spielt vor allem die Lichtfarbe - abhängig von der Wellenlänge - eine wichtige Rolle.
 Laserdioden mit einer Wellenlänge von 780 bis 830 nm geben infrarotes, also unsichtbares Licht ab. Dieses Licht wird überwiegend an der Hautoberfläche absorbiert, so dass es viele Akupunkturpunkte nicht erreichen kann - es sei denn der Laser hat eine extrem hohe Ausgangsleistung.
 Laser mit einer Wellenlänge von 630 bis 670 nm geben rotes, für das menschliche Auge sichtbares Licht ab.
Gute Infrarot-Laser für die Akupunktur haben meist eine Ausgangsleistung von 10 mW bis 30 mW. Interessant sind natürlich auch Geräte von 50 mW bis 150 mW: Mit diesen kann man sowohl Akupunkturpunkte stimulieren als auch lasertherapeutische Behandlungen durchführen (etwa in der Sportmedizin oder der Dermatologie).

Auf dem Medizingerätemarkt werden Tischgeräte und mobile Handgeräte - häufig in Stiftform - angeboten. Gute Geräte sind völlig digital aufgebaut, so dass man (wie bei elektrischen Stimulationsgeräten) Timerfunktionen und Frequenzen einstellen kann. Sehr gute Geräte besitzen nicht nur abrufbare Festfrequenzen (TMO, Nogier), sondern lassen auch eine freie Programmierung mit über 1000 unterschiedlichen Frequenzen zu.

3. Die Punktsuchgeräte

Der elektrische Widerstand an der Hautoberfläche ist über einem Akupunkturpunkt deutlich geringer auf an der Umgebungsfläche. Folglich lassen sich Akupunkturpunkte elektrisch auffinden. Das Prinzip ist einfach: Man leitet einen elektrischen Strom durch den Körper und misst ihn; dabei wird das Messgerät wird so eingestellt, dass es nur die Hautstellen mit erheblich geringerem Widerstand anzeigt. In der Praxis wird die Ausführung allerdings dadurch erschwert, dass nicht nur Akupunkturpunkte, sondern auch feuchte oder verletzte Hautstellen einen geringeren Widerstand aufweisen.

Am Markt sind vier verschiedene Arten von Suchgeräten erhältlich (fast alle in Stiftform), die mit diesen "Störfaktoren" unterschiedlich gut umgehen:
 Der einfachste und preisgünstigste Gerätetyp enthält Punktsucher, die sich nicht einstellen oder in sonstiger Weise regulieren lassen. Sie signalisieren mit einem Piepston alles, was von dem voreingestellten Mittelwert abweicht. Sehr geübte Behandler können mit diesen Geräten arbeiten, aber die Handhabung ist umständlich und ungenau.
 Bei einem anderen Gerätetyp kann man die Empfindlichkeit der Mess-Einrichtung manuell stufenlos regulieren. Sie sind sehr leicht zu handhaben. Ihr Nachteil liegt darin, dass im Bereich von feuchten Hautpartien ständig per Hand nachreguliert werden muss - das kann bei der Punktsuche sehr langwierig und umständlich werden. Solche Geräte sind in mittleren Preislagen angesiedelt.
 Sehr populär ist ein analoger Gerätetyp, bei dem man nichts einstellen muss. Diese Geräte besitzen ein Leuchtband (aus mehreren LEDs) und einen einfachen Tongenerator. Bei Beginn der Messung sind beide Einrichtungen aktiviert, wobei die Eingangs-Empfindlichkeit sehr niedrig eingestellt ist. Verringert sich während der Messung der Widerstand, leuchten mehr LEDs auf und der Ton schwillt an. Die Hauptnachteile dieser Geräte liegen in der relativ ungenauen Messung sowie - wie auch bei den anderen analogen Geräten - in der mühsamen Unterscheidung zwischen Akupunkturpunkten und feuchten oder defekten Hautpartien. Zudem wird der hohe Ton - der sich bei den meisten Geräten nicht abstellen lässt - von Patienten und Therapeuten meist als unangenehm empfunden, und der Suchvorgang wird zur Geduldsprobe.
 Am leistungsfähigsten - und preislich etwas höher angesiedelt - sind digitale Geräte mit eigenem Speicher: Mit ihnen kann ein Hautareal durch einfaches Darübergleiten gemessen werden; der Messwert wird als Referenzwert abgespeichert und einfach per Knopfdruck abgerufen (in der Regel per Einhandbedienung). Anschließend zeigt das Gerät innerhalb des gemessenen Areals nur noch die Punkte an, die vom Referenzwert abweichen.
Eine Sonderform von Punktsuchgeräten sind die so genannten "Suchwinkel" oder "Cun-Meter". Sie geben die Lage der Akupunkturpunkte in Cun an - zwei Maßeinheiten, die von der Anatomie des Patienten abgeleitet sind: Ein Cun entspricht der Breite seines Daumenendgliedes. Die jeweilige Breite wird auf dem Gerät eingestellt, die Skala reicht von 0,5 bis 2,5 Cun.